In fünf Sätzen
- Wir vergleichen drei Kostenkurven über zwanzig Jahre, von 2026 bis 2045: Ihre Gasheizung behalten, auf eine Wärmepumpe wechseln, an die Fernwärme gehen.
- Der Kern ist das Netzentgelt: Wenn Haushalte das Gasnetz verlassen, verteilen sich dieselben Netzkosten auf weniger Anschlüsse, und der Preis pro Anschluss steigt.
- Wie viele Haushalte gehen, nehmen wir aus dem beschlossenen Wärmeplan Ihrer Stadt, nicht aus einer eigenen Schätzung.
- Alle Preise stammen aus veröffentlichten Preisblättern und amtlichen Quellen, die unten mit Datum aufgeführt sind.
- Das Ergebnis ist eine Prognose über zwanzig Jahre und damit keine Zusage. Wir zeigen deshalb eine Spanne und legen offen, wo das Modell an seine Grenzen stößt.
Im Detail
Was genau verglichen wirdDrei Kurven, ein Wechselzeitpunkt+
Für jedes Jahr von 2026 bis 2045 rechnen wir drei Jahreskosten aus:
| Kurve | Enthält |
|---|---|
| Gas | Netzentgelt, Erdgas-Arbeitspreis, CO2-Kosten, Kapazitätsabgabe, Messdienstleistung, Wartung des Kessels |
| Wärmepumpe | Stromkosten für den Heizbedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl, Wartung, Abschreibung der geförderten Investition über zwanzig Jahre |
| Fernwärme | Arbeitspreis, Grundpreis, Abschreibung des geförderten Hausanschlusses über dreißig Jahre |
Danach prüfen wir jedes mögliche Wechseljahr durch: Gas bis Jahr X, danach die Alternative. Das Jahr mit den niedrigsten Gesamtkosten ist der ausgewiesene optimale Wechselzeitpunkt. Die Ersparnis ist die Differenz zwischen diesem Pfad und dem Pfad, bei dem Sie beim Gas bleiben.
Fernwärme wird nur dann verglichen, wenn laut Wärmeplan überhaupt ein Netz in Ihrem Gebiet vorgesehen ist und für Ihre Stadt echte Preisdaten vorliegen. Sonst bleibt die Kurve leer, statt mit fremden Tarifen gefüllt zu werden.
Der Kern: warum das Netzentgelt steigtEine Formel mit zwei belegten Größen+
Das Netzentgelt ist der Teil Ihrer Gasrechnung, der für Bau und Betrieb des Verteilnetzes anfällt. Es steigt aus zwei unabhängigen Gründen, und beide rechnen wir getrennt:
| Größe | Bedeutung | Wert |
|---|---|---|
| i | Kostensteigerung des Netzbetreibers, gemessen an seiner genehmigten Erlösobergrenze | 3,82 % pro Jahr |
| λ | Anteil der Haushalte, die das Gasnetz pro Jahr verlassen | 6,1 % bis 2030, danach 9,9 % |
Der zweite Teil ist der entscheidende. Die Netzkosten sind weitgehend fix, sie fallen nicht, wenn Kunden gehen. Bei zehn Prozent weniger Anschlüssen zahlt jeder verbliebene Haushalt rund elf Prozent mehr, allein durch die Verteilung.
Im Referenzfall führt das von 401 € im Jahr 2026 auf 5.019 € im Jahr 2045.
Alle Parameter mit QuelleWerte, Herkunft, Stand+
Gasseite
| Parameter | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Netzentgelt Basisjahr | Grundpreis plus Arbeitspreis mal Verbrauch, aus dem Preisblatt des zuständigen Netzbetreibers. München 2026: 42,27 € Grundpreis, 1,9912 ct/kWh | Preisblatt SWM Infrastruktur 2026 |
| Kostensteigerung i | 3,82 % pro Jahr | Angepasste Erlösobergrenze SWM Infrastruktur 2023 bis 2025. Gegenprobe am Fenster 2017 bis 2021: 3,35 % |
| Abwanderung λ | 6,1 % pro Jahr bis 2030, danach 9,9 % | Kommunale Wärmeplanung München, Zielpfad aus dem FfE-Abschlussbericht "Wärmestrategie München" vom 30.01.2024, Kapitel 9.2 |
| Realisierungsgrad | 1,0 | Gesetzt, nicht gemessen. Siehe Grenzen |
| Erdgas-Arbeitspreis | 7,8 ct/kWh im Jahr 2026, plus 2 % pro Jahr | TTF-Terminmarkt zuzüglich Vertriebsmarge |
| CO2-Preis | 65 €/t im Jahr 2026, ansteigend auf 240 €/t im Jahr 2045 | BEHG-Auktionskorridor und DEHSt für 2026 und 2027, danach ETS2-Pfadschätzung nach Ariadne 2025 und EWI Köln 2025 |
| CO2-Faktor Erdgas | 183,3 g/kWh, brennwertbezogen | Emissionsberichterstattungsverordnung 2030: 202,9 g/kWh heizwertbezogen, umgerechnet mit dem Faktor 0,903. Gegenquelle Umweltbundesamt 2026. Brennwertbezug, weil der Verbrauch aus der Gasabrechnung stammt |
| Bio-Treppe §43 GModG | Pflichtanteil klimaneutraler Brennstoffe für neu eingebaute Gasheizungen: 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035, 60 % ab 2040. Gerechnet als Aufschlag auf den Großhandelsabstand zwischen Biomethan und Erdgas, aktuell 6,5 ct/kWh netto | Gesetzestext §43 GModG. Biomethanpreis: EWI, "Biomethan im deutschen Gebäudesektor", 10.06.2026. Abstand gegengeprüft an IW Köln, Report 36/2026 |
| CO2 auf den biogenen Anteil | entfällt | Für biogene Brennstoffe werden keine Emissionen bilanziert |
| Weitere Fixkosten | 270 € pro Jahr, davon 80 € Kapazitätsabgabe, 40 € Messdienstleistung, 150 € Kesselwartung | Bundesdurchschnitt |
Wärmepumpe
| Parameter | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Strompreis | 24,19 ct/kWh im Jahr 2026, plus 1,5 % pro Jahr | SWM Wärmepumpentarif nach §14a EnWG, gültig ab 01.02.2026 |
| Jahresarbeitszahl | 2,3 bis 3,8, geschätzt aus Heizkörpertyp und Baujahr | Eigene Schätzung. Fußbodenheizung 3,8, Niedertemperatur 3,2, Gussheizkörper 2,3 |
| Investition | 20.000 € im Standardfall, 26.000 € Altbau, 16.000 € Neubau, 35.000 bis 55.000 € im Mehrfamilienhaus | Marktübliche Spannen, ersetzbar durch eigene Angabe |
| Förderung | Aus der hinterlegten Programmdatenbank, Bund und Kommune kombiniert, mit Höchstgrenzen | BEG EM in der Fassung vom 21.07.2026, FKG München nach Richtlinienheft vom 02.07.2026 |
| Abschreibung | Geförderte Investition über zwanzig Jahre | Nutzungsdauer |
| Wartung | 200 € pro Jahr, steigend um 10 € je Betriebsjahr | Erfahrungswert |
Fernwärme
| Parameter | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Arbeitspreis | 12,58 ct/kWh im Jahr 2026 | Preisblatt SWM Fernwärme 2026 |
| Grundpreis | Aus dem Leistungspreis mal berechneter Heizlast, ersatzweise 500 € pro Jahr | Preisblatt SWM Fernwärme 2026 |
| Preissteigerung | 3,5 % pro Jahr | Eigene Annahme, orientiert an den Preisgleitklauseln der Versorger |
| Hausanschluss | Für München aus dem SWM-Preisblatt, sonst 15.000 € als Annahme | Preisblatt SWM, Stand 2026 |
| Abschreibung | Geförderter Hausanschluss über dreißig Jahre | Nutzungsdauer |
Rechnung insgesamt
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Betrachtungszeitraum | 2026 bis 2045, also zwanzig Jahre |
| Barwert | Zusätzlich ausgewiesen mit 3 % Diskontsatz. Der Vergleich selbst läuft über die nominalen Summen |
| Mehrwertsteuer | Alle Preise brutto |
Die Spanne und der SchockfallWie unsicher das Ergebnis ist+
Ein Basiswert allein wäre eine Scheingenauigkeit. Wir rechnen deshalb drei Szenarien plus zwei Sonderfälle. Variiert werden dabei die Preisannahmen für Gas und Strom sowie die Kostensteigerung des Netzbetreibers.
| Szenario | Ersparnis im Referenzfall |
|---|---|
| Optimistisch, aus Sicht des Gaskunden | 28.730 € |
| Basis | 35.502 € |
| Pessimistisch, aus Sicht des Gaskunden | 42.866 € |
| Preisschock wie 2022, separat ausgewiesen | 94.174 € |
| Wärmeplan wird nur zu 60 % umgesetzt | 21.448 € |
Der Preisschock steht bewusst außerhalb der Spanne. Ein einmaliger Sprung wie 2021 auf 2022 ist etwas anderes als eine dauerhaft höhere Steigerungsrate, und beides in einen Wert zu mischen hat die Spanne früher verzerrt. Dass das Risiko real ist, zeigt derselbe Netzbetreiber: Die Erlösobergrenze von SWM Infrastruktur stieg 2021 auf 2022 um 47 Prozent.
Wann das Ergebnis kipptDie Gegenprobe, offen gerechnet+
Gerechnet über alle 75 Münchner Postleitzahlen und vier Gebäudetypen kommt der Rechner in allen 45 Postleitzahlen mit Fernwärme zum selben Ergebnis: Die Wärmepumpe ist günstiger. Ein Rechner, der immer dasselbe sagt, gehört überprüft. Deshalb hier die Bedingungen, unter denen das Ergebnis sich dreht.
| Größe | Kippt allein bei | Zum Vergleich: heutiger Wert |
|---|---|---|
| Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe | unter 1,6 | 2,3 bis 3,8 je nach Gebäude |
| Arbeitspreis Fernwärme | unter 6,5 ct/kWh | 12,58 ct/kWh in München |
| Strompreis | über 42 ct/kWh | 24,19 ct/kWh im Wärmepumpentarif |
Einzeln kippt also fast nichts. Kombinationen sehr wohl: Ein Altbau mit einer Jahresarbeitszahl von 2,2, dazu ein Abwärmenetz mit 7 ct/kWh und eine Wärmepumpeninvestition von 38.000 €, und das Ergebnis dreht sich um rund 16.000 € zugunsten der Fernwärme.
Im Mehrfamilienhaus ab vier Wohneinheiten empfiehlt der Rechner Fernwärme auch dann, wenn sie rechnerisch teurer ist. Grund ist die Praktikabilität einer Zentralwärmepumpe, nicht der Preis. Das steht so im Ergebnis.
Was dieses Modell nicht kannDie ehrliche Liste+
- Es gibt kein Abschaltdatum. In München besteht kein Anschluss- und Benutzungszwang. Die Landeshauptstadt hält fest, dass der Wärmeplan keine Verpflichtung für Gebäudeeigentümer darstellt, und die Wärmesatzung vom 26.11.2025 entfaltet keine rechtliche Außenwirkung. Die Jahreszahlen im Rechner sind Erschließungsjahre, also wann Fernwärme ankommt, keine Abschaltjahre.
- Die Abwanderung ist stadtweit gerechnet, nicht je Stadtteil. Der Wärmeplan trifft seine Aussage für die ganze Stadt. Wir teilen sie nicht auf Zonen auf, weil dafür keine Quelle vorliegt. Folge: Die Kostenkurve ist in allen Zonen gleich, die Zonen unterscheiden sich nur darin, ab wann Fernwärme überhaupt verfügbar ist. Eine Aufteilung ist in Arbeit und würde die ausgewiesene Ersparnis in Fernwärmegebieten voraussichtlich senken.
- Der Realisierungsgrad ist gesetzt. Wir unterstellen im Basisfall, dass der Wärmeplan wie beschlossen umgesetzt wird. Belastbar wäre das erst mit mehrjährigen Kehrbuchzahlen der Kaminkehrerinnung. Das Szenario mit 60 Prozent Umsetzung zeigt, was ein langsamerer Verlauf bedeutet.
- Die Abwanderung ist nicht gegen Ist-Daten geprüft. Die Kostenseite ist es: Die Steigerungsrate stammt aus den tatsächlichen Erlösobergrenzen des Netzbetreibers. Wie schnell Haushalte wirklich aussteigen, lässt sich erst in einigen Jahren nachmessen.
- Nach 2040 schreiben wir die Abwanderung flach fort. Der Zielpfad des Wärmeplans ist bis 2040 belegt, danach setzen wir dieselbe Rate weiter an. Rechnerisch hängen dadurch 2045 noch rund 15 Prozent der Haushalte am Gasnetz. Läuft der Ausstieg tatsächlich gegen null, fallen die Netzentgelte der letzten Jahre höher aus als hier gezeigt. Diese Annahme wirkt also zugunsten des Gases und senkt die ausgewiesene Ersparnis.
- Die Grüngasquote für Bestandsheizungen ist nicht eingepreist. Das Gebäudemodernisierungsgesetz, in Kraft seit dem 29.07.2026, kennt zwei Beimischungspflichten. Die Bio-Treppe nach §43 trifft nur, wer eine neue Gasheizung einbaut, und die rechnen wir mit. Die Grüngasquote nach §42a trifft jeden Gasbezug, ihr Quotenpfad ist aber noch nicht festgelegt. Das Gesetz dazu muss die Bundesregierung bis zum 1. Dezember 2026 vorlegen. Bis dahin fehlt sie in der Rechnung, was die ausgewiesenen Gaskosten eher senkt als erhöht.
- Fernwärmedaten sind nur für München verifiziert. Für andere Städte sind die hinterlegten Werte Schätzungen. Dort wird die Fernwärme nur angezeigt, wenn echte Preisdaten vorliegen.
- Nicht abgebildet: Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle, eigener Photovoltaikstrom, Mieterstrommodelle, steuerliche Effekte, Finanzierungskosten und der Restwert der bestehenden Heizung.
- Es ist eine Prognose über zwanzig Jahre. Kein Modell kann heute belegen, was 2040 gilt. Das Ergebnis ist eine begründete Rechnung, keine Zusage.
Datenstand und AktualisierungWas wann geprüft wurde+
| Datenbestand | Stand | Status |
|---|---|---|
| Netzentgelt-Preisblätter München | 2026 | Verifiziert an der Primärquelle |
| Fernwärmepreise München | 2026 | Verifiziert an der Primärquelle |
| Fernwärmepreise andere Städte | 2026 | Schätzwerte, Verifikation läuft |
| Förderprogramme Bund | Fassung vom 21.07.2026 | Verifiziert |
| Förderprogramme München | Richtlinienheft vom 02.07.2026 | Verifiziert |
| Zonenzuschnitt München | Wärmeplan 2024 | Verifiziert |
| CO2-Preispfad ab 2028 | Schätzung | Nicht verifizierbar, ETS2-Marktpreis |
Preisblätter werden jährlich neu erfasst, Förderprogramme bei jeder Novelle. Wesentliche Modelländerungen werden auf dieser Seite mit Datum vermerkt.
Selbst nachrechnenFür Redaktionen und Fachleute+
Mit den Angaben oben lässt sich der Referenzfall vollständig nachvollziehen. Der Rechenweg für ein einzelnes Jahr:
Für Rückfragen zur Methode, zu einzelnen Parametern oder für die Rohdaten eines konkreten Falls: kontakt@checkhaus.de. Wir beantworten methodische Rückfragen auch dann, wenn sie auf eine Gegenrechnung hinauslaufen.
Warum wir das offenlegen
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